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Eisenbahnplatten-Renaissance

Ich erinnere mich noch ganz gut an die Zeit, wo immer kurz vor Weihnachten von unseren Eltern „die Eisenbahnplatte“ aufgebaut wurde. Bis zu Weihnachten haben dann die Eltern damit gespielt: kleinere Reparaturen vorgenommen, neue Häuschen aufgebaut, die Eisenbahnschienen blankgeputzt und die Elektrik auf Vordermann gebracht.
Ab Weihnachten waren dann wir an der Reihe. Mit leuchtenden Augen und offenstehenden Mündern haben wir Fahrpläne gebaut, Tiere und diverse Leckereien vom bunten Teller aufgeladen und dann zogen die Zugwagen stoisch ihre Kreise über die Platte, vorbei an kleinen Wäldern, an Weiden, an kleinen Fachwerkhäusern, über eine Weiche, durch den mit schwarzen Asphaltimitat überzogenen Tunnel und über den kleinen Bahnübergang, wo schon ungeduldig ein kleiner Laster darauf wartete, das Ende der Platte zu erreichen.

Aufregend war das immer. Einen ganzen Monat wurde damit gespielt, bis die große Platte wieder im Keller verschwand, um zum nächsten Weihnachtsfest wieder ihre Renaissance zu erleben.
Was ich damals noch nicht wusste – und mich sicherlich auch nicht interessiert hätte – diesen „Eisenbahnplatten-Blick“ nennt man TiltShift.
Es gibt so genannte Tilt & Shift-Objektive, die dem Fotografen das Verschwenken des Linsensystems gegenüber der Filmebene ermöglicht.
Vornehmlich versucht man durch solche Spezialobjektive störende, perspektivische Verzerrungen, wie sie z. B. bei der Aufnahme von größeren Gebäuden vorkommen, zu korrigieren. Man kann auch störende Objekte, welche sich zwischen dem Fotografen und dem zu fotografierenden Motiv befinden ausblenden, indem man sich neben dieses Objekt stellt und dann einfach die Perspektive über das Objektiv so verstellt, dass es so scheint, als würde man es ohne die Störung aufnehmen können.
TiltShift nennt man aber auch eine Technik, welche man in Photoshop einsetzen kann, um reale Bilder zu Miniaturisieren. Welche Ergebnisse man damit erzeugen kann, sieht man an diesen beiden Bildern:

treseburg treseburg-tiltshift

Links sieht man das Original, welches ich 2006 im Harz in Treseburg aufgenommen habe, rechts das mit dem TiltShift-Effekt bearbeitete Bild. Sieht doch wirklich nach Eisenbahn aus, oder? Hier noch ein Beispiel:

treseburg2 treseburg2-tiltshift

Direkt vom Hexentanzplatz herunter ins Tal fotografiert.

Damit man sich nicht extra Photoshop kaufen und ich den Kram nicht haarklein erklären muss, hat ein findiger Web-Programmierer eine Seite gebaut, wo man das problemlos alleine mal austesten kann. Einfach das Foto vom letzten Urlaub hochladen, die Einstellungen machen, sich die Vorschau ansehen und auf das Knöpfchen zur Erstellung des „Kunstwerks“ drücken. Danach kann man sich das fertige Bild von der Seite herunter laden. Aber probiert das am besten selber einmal. Ich habe schon mehrere Fotos ausprobiert und es macht echt Spaß.

tiltshift

Published inWeb 2.0

Ein Kommentar

  1. SenfHuhn SenfHuhn

    Das ist ja ne coole Sache. Wenn es ja nicht heißen würde, dass ich noch ne Bastel-Baustelle hätte, würde ich ja mal einen Urlaub „miniaturisieren“. Na, mal schaun…

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