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iPhone legt das Seepferdchen ab

Direkt am zweiten Tag auf dem West-Highland-Way habe ich mein iPhone gewässert. Ich hatte es zusammen mit meinem MP3-Player in einer der Beckengurttaschen meines Trakkingrucksacks in der Annahme verstaut, dass sie wasserdicht wären. Und falls doch etwas Feuchtigkeit eindringen sollte, habe ich beide Geräte in eine Folientüte gewickelt. Zwei Dinge habe ich jedoch nicht beachtet:

  1. Taschen müssen nicht zwangsläufig nur in die eine Richtung, also von Außen nach Innen dicht sein. Es kann auch der umgekehrte Fall eintreten, und dann hat man plötzlich zwei kleine Miniaquarien am Beckengurt hängen.
  2. Der Kapillareffekt sorgt dafür, dass Folientüten plötzlich wie ein Schwamm wirken und Wasser aufnehmen, ohne je im Leben undicht zu sein.

Kommen beide Dinge zueinander, dann gehen wertvolle, elektronische Helferlein schwimmen. Als wir am Abend in Balmaha ankamen, hatte mein iPhone ohne mich um Erlaubnis zu fragen das Seepferdchen abgelegt. Da so ein iPhone jedoch meist allergisch auf Wasser reagiert, war es am Abend nur noch ein undichtes iAquarium. Ich befreite das iPhone und den MP3-Player aus ihrem gewässerten Gefängnis. Schwammen sie beide noch einträglich nebeneinander, so „pieselten“ sie mir zum Dank für ihre Rettung beide mein Bett voll.

Der MP3-Player funktionierte nach einer Trockenzeit von 4 Stunden ohne Probleme wieder. Das iPhone blieb tot. Da ich es am Morgen angeschaltet hatte, es am Abend aber aus war, ahnte ich das Schlimmste. Und so war es dann auch. Selbst nach einer Trockenzeit von 12 Tagen, was dem Rest des begonnenen Urlaubs entsprach, blieb es tot. Selbst beim Anstecken an die Ladestation und mehrstündiges Laden war kein Lebenszeichen zu sehen.

Zu Hause angekommen, wollte ich mich natürlich nicht damit abfinden, das iPhone einfach so zum Elektroschrot zu geben. Also habe ich es – wie hier beschrieben – geöffnet, komplett auseinander gebaut, die Hauptplatine vom Akku getrennt und in Isopropanol eingelegt. Nach zwei Stunden habe ich es dann zum Trocknen an die Sonne gelegt. Am nächsten Morgen habe ich dann den Akku wieder angeschlossen, alles soweit wieder zusammengebaut und an das Ladegerät gehangen. Der Akku war tiefenentladen. Das habe ich mit einem Messgerät prüfen können. Um so mehr erfreute es mich, als das iPhone kurz nachdem ich es zum Laden an die Strippe gehangen hatte, einen komplett gelben Screen anzeigte. Das war schon einmal ein Lebenszeichen und zeigte zumindest, dass das Isopropanolbad seine Wirkung gezeigt hatte. Als ich nach ca. 20 Minuten noch mal nach dem Patienten sah, war er fast wohlauf. Der gelbe Screen war mittlerweile der normalen Bedienoberfläche gewichen. Ein kurzer Test zeigte, dass das Multitouch noch voll funktionsfähig war. Einzig ein paar Flecken und Streifen auf dem Display zeigten, dass es mal gewässert wurde.

Also baute ich es nochmals auseinander und begann damit die Rückstände vom Wasser zwischen Display und dem Touchscreen zu entfernen. Leider stellte sich hinterher heraus, dass das gar nichts brachte. Das Wasser war in das Display eingedrungen und hatte dort Spuren hinterlassen, welche man leider nicht so einfach wegputzen konnte.

Also habe ich mir hier [KLICK] für 20 € ein neues Display bestellt, welches prompt nach drei Tagen geliefert wurde. Jetzt am Wochenende habe ich dann den Einbau vorgenommen. Im Prinzip war dieser sehr simpel. Zuerst irritierte mich, das man mir wirklich nur das Display ohne den zugehörigen Metallrahmen geschickt hatte. Aber als sich das alte Display ganz leicht durch einen Schlitzschraubendreher und ohne viel Druck vom Metallrahmen lösen ließ, war alles wieder in Ordnung.

Das Originaldisplay benutzt die Spiegelfolie auf dem Metallrahmen als Reflextionsschicht. Beim Ersatzdisplay war eine eigene Spiegelfolie direkt auf die Rückseite geklebt. So habe ich von der alten Spiegelfolie nur die Wasserrückstände entfernt und dann das Austauschdisplay entsprechend der Stifte auf den Rahmen geklebt. Dann alles vorsichtig wieder zusammengesetzt und fertig war der Einbau. Die ganze Aktion hat mich maximal 10 Minuten gekostet und wäre ohne Schwierigkeiten auch für einen mäßig bastelafinen Menschen zu bewältigen.

Nun läuft das iPhone wieder und das Hühnchen benutzt es, um sinnfrei Zeit mit Bubble Explode zu verbubblen.

Und für jeden, den es interessiert: Ich habe das alte Display mal auseinandergenommen und dabei festgestellt, dass es neben der Glasfront und dem Plastikrücken nur noch aus drei weiteren Folien besteht. Theoretisch könnte man nach einem Wassereinbruch das Display in die einzelnen Schichten zerlegen und säubern. Jedoch wird die Folie, welche direkt auf die Glasscheibe folgt, dabei Schwierigkeiten machen. Sie scheint beschichtet zu sein und diese Beschichtung hält durch ihre Oberflächenbeschaffung Verschmutzungen fest. Mir ist es nicht gelungen, die Schmutzstreifen zu entfernen. Im Gegensatz dazu habe ich von den anderen Folienschichten die Stockflecken ohne Probleme wegbekommen.

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3 Comments

  1. Hühnchen Hühnchen

    Ja, und es hat gaaaanz lang die Luft angehalten und nix gemacht.
    Aber jetzt geht es ja zum Glück wieder, sonst könnte ich gar nicht zocken ;o)

  2. smars smars

    huhu…
    es ist schön zu lesen das man nicht der einzigste mensch ist der ein iphone hat was das seepferdchen mit auszeichnung gemacht hat ;)! ich bin nur noch nicht soweit das ich das display gewechselt habe,nur den akku da meiner hin war. was meinst du… trocknen diese flecken vielleicht von allein auch wieder raus?

    lg smars

    • dasI dasI

      Hoi smars! Nein, Du bist in guter Gesellschaft. Ein Kollege hat sein Apfeltelefon sogar in Salzwasser eingelegt und es hat es auch überlebt. 🙂 Was das Austrocknen betrifft, so sehe ich da eher SCHWARZ. Die erste, beschichtete Folie wird wohl die Rückstände nicht wieder loslassen. Mein iPhone lag ca. 14 Tage in der Reisetasche und war immer noch nicht trocken hinterm Display. Vielleicht trocknet es schneller, wenn man es auseinanderbaut. Probiere es doch aus: „Versuch macht kluch!“ 🙂 Ich wünsche Dir viel Erfolg!

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